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Leutnant Gustl

23. April 2010 | 20:00

Freitag, 23. April ab 20:00 im P.A.N.D.A.-Theater.

Der Held.
Wien. 1900. Beim Verlassen eines Konzerthauses wird ein Leutnant von einem Bäckermeister beleidigt. Die beiden Streiter kommen aus zwei unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und daher kommt eine Satisfaktion absolut nicht in Frage. Für den Leutnant steht es plötzlich fest: ab jetzt kann nichts mehr so sein, wie es einmal war - sein Leben ist nichts mehr wert. Von grausamen Selbstmordgedanken heimgesucht, irrt er die ganze Nacht durch die österreichische Hauptstadt...

Der Autor.
Arthur Schnitzler (1862-1931) gehört zu jenen österreichischen Schriftstellern und Dramatikern, die nicht nur deutschsprachige Literatur des XX Jahrhunderts, sondern auch die der ganzen Welt geprägt haben. Aufgrund dieser Novelle wurde ihm sein Offiziersrang aberkannt. Er habe „das Ansehen der österreichisch-ungarischen Armee geschädigt".

Die Schauspielerin.
Sigrun Schneggenburger hat einen großen Teil ihres Lebens in Österreich verbracht, doch seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Sie hat unter anderem acht Jahre im Landestheater Linz gespielt. Als Künstlerin kennt und fühlt sie die unsichtbaren kulturellen Grenzen im sogenannten deutschsprachigen Raum wie kaum ein anderer. Das ist ihr erster Soloauftritt im neuen PANDA-Theater.

Die Inszenierung (Eva Diamantstein)
Die minimalistische Aufführung dauert etwa eine Stunde. Die Schauspielerin sitzt an einem kleinen Kaffeehaustisch, ganz einfach, nicht verkleidet, ohne jegliches Bühnenbild, und fängt an zu erzählen... Vielleicht ist es nur ein hypnotisches Experiment, das auf eine Frage zu antworten hat: Wie weit kann man im Theater gehen, um mit möglichst einfachen Mitteln größtmögliche Wirkung zu erzeugen?

Die Presse.
„Sigrun Schneggenburger erwies sich als Idealbesetzung für Arthur Schnitzlers Leutnant Gustl".
Volksblatt
„Schneggenburger entwickelt verschiedene Perspektiven auf den Monolog: Die Frage der Ehre wird jetzt von einer Schauspielerin, einer Frau abgehandelt. Dadurch erhält die Monarchie-Karikatur noch mehr doppelten Boden".
Kronenzeitung

FÜNF FRAGEN AN SIGRUN SCHNEGGENBURGER

Bild: Sigrun Schneggenburger

1. Was ist für dich das wichtigste an dieser Figur - Leutnant Gustl? Was fasziniert dich am stärksten in dieser Geschichte?
- Am meisten an dieser Geschichte fasziniert mich die Art, wie dieser Text geschrieben ist. Wie Schnitzler es schafft einen in das Geschehen hineinzuziehen - an Hand einer Ich-Figur, die zu Beginn nicht gerade sympatisch ist, durch dauernd brechende Ebenen (reales Geschehen, jagende Gedanken, Gefühlsverwirrungen). Wie er einen jungen Menschen vorführt, der alles richtig machen will und sich gerade deshalb auf absurde Art und Weise in eine beinahe tödlich endende Konsequenz verstrickt.

2. Was sagt uns die Geschichte hundertzehn Jahre nach der Veröffentlichung - sie hat doch offensichtlich nicht nur historische Bedeutung? Anders formuliert, lebt Herr Gustl auch heute noch und vielleicht sogar nicht nur in Österreich?
- Ich habe den Gustl einmal in Linz vor 200 Schülern gespielt und hatte große Angst, dass sie mich auslachen würden. Das Gegenteil ist passiert. Sie haben von Anfang bis zum Schluss gebannt zugehört. Warum? Es ist schließlich eine Geschichte über Autoritäten, Gehorsam und gesellschaftliche Anerkennung. Jugendliche sind, wenn auch auf andere Weise, auch heute noch diesen Dingen ausgesetzt. Elterliche Erziehungsgewalt, gesellschaftliche Unterwerfungsstrukturen, Erfüllungszwänge etc. Und sie sind glaube ich dankbar dafür, wenn man das einmal ad absurdum führt.

3. Was war die absurdeste Reaktion eines Zuschauers nach der Aufführung - oder die interessanteste, woran du dich erinnerst?
- Die absurdeste Reaktion auf die Aufführung war, dass ein Kritiker geschrieben hat, dass ich als eine doch schon etwas ältere Frau die Idealbesetzung für Leutnant Gustl wäre.

4. Hast du Angst bevor du auf die Bühne gehst? Wie gehst du damit um?
- Ich habe immer Angst, wenn ich auf die Bühne gehe, und das wird mit den Jahren nicht weniger, sondern immer schlimmer. Was ich dagegen unternehme? Ich bereite mich gut vor und verlasse mich darauf, dass die Angst auf der Bühne von mir abfällt. Das tut sie auch meistens.

5. Welche Frage hättest du an Leutnant Gustl gestellt, falls du ihn treffen würdest?
- Gehst du mit mir ins Kaffeehaus frühstücken?

PANDA. Nicht nur russisches Theater.
Auf dem Gelände der Kulturbrauerei im kleinen Hof.
Knaackstraße 97, 10435 Berlin

Eintritt 10 / 7 Euro.

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